Heute Brötchen, d.h. Mutschli auf luzerner Schweizerdeutsch, gefrühstückt.

Noch hier ein wenig gebloggt und dann mit dem Rad im Sausewind, die 7 Km mit ca. 40Km/h den Berg immer der Strasse lang hinab. Dauert so ca. 10 Minuten von Haustüre zu Haustüre! Leider waren viele Autos die ich als Radler immer hasse, unterwegs, an der Kreuzung in Pfäffikon war sogar ein kleiner Stau.

Ich war pünktlich, d.h. knapp vor 9 Uhr da, Susanna hat mich empfangen und in die Geheimnisse des Unternehmens eingeweiht. Z.B. die Spülmaschine macht derjenige an der die Firma als letzter verlässt, die Klos sollen sauber hinterlassen werden, wenn was nicht sauber ist soll man es melden, die Klotüre darf nur ca. 1-2 cm aufgelassen werden, auf Sauberkeit ist überhaupt zu achten, wo die Putzlappen liegen, usw...

Es ist alles absolut neu, sowohl das Haus, welches übrigens in Minenergiebauweise errichtet wurde und eine verglaste Front enthält. Das Mobiliar ist neu und alles sehr mondän, recht schöne Poster hängen an den Wänden, in meinem Büro ein Foto von einem Kakaustrauch und eine Nahaufnahme einer Kakaubohne.
Im 1. Stock ist das Büro, es waren ausser der Sekretärin Susanna noch 4 männliche Kollegen da.

Ich sitze mit einem sehr jungen, kleinen Kollegen der Hard- und Software Support leistet, in einem sehr schönen, ausreichend grossen Zimmer mit grosser Zimmerpflanze. Es rauscht ein kleiner Bach unten vorbei. Wenn man rausschaut sieht man auf ein verfallenes Gebäude das demnächst abgerissen werden soll und wo ein Park entsteht.
Im 3. Stock  haben wir nicht nur ein eigenes Fitnesstudio in zwei kleineren Räumen, einem schönen grossen Badezimmer, sondern auch ein kleines Besprechungszimmer und ein mondänes, riesiges Wohnzimmer mit Couch und grossem Esstisch, Einbauküche.
Zwei riesige Pflanzen mit gigantischen Blättern für die es einen Servicevertrag gibt.
Ein  langer, grosser Balkon mit Pflanzen befindet sich davor.

Wir haben uns beim Metzger ein Essen gekauft. Nur 11 Franken und ausgezeichnet! Ich hatte ein paniertes Schnitzel, Aubergine mit Tomate und Mozarella überbacken und dazu sehr gute Salzkartoffeln.
Wir haben alle gemeinsam gegessen, wie eine grosse Familie. So ein enges Verhältnis hat natürlich nicht nur Vor- sondern auch Nachteile. Zu trinken gab es Leitungswasser, fand ich sympathisch.

Im 1. Stock ist freistehend im grossen Flur ebenfalls eine Küche, Obst  wird von der Firma spendiert, ebenfalls Tee in einer grossen Vielfalt. Ein ca. 42 Zoll grosser Fernseher läuft ständig und zeigt ein amerikanisches Programm mit Börsennachrichten. Ich denke das dient nur um zu zeigen dass man Geld hat. Am Arbeitsplatz kann man sich schliesslich die Kurse wesentlich besser im Internet anzeigen lassen.
Merkwürdigerweise haben die Mitarbeiter teilweise leider nur recht kleine, d.h. 19 Zoll Flachbildschirme. Ich habe zum Glück einen nagelneuen Super PC (Core 2 Duo) mit 4GB Ram und neuem, glänzenden 21(?) Zoll Samsung Bildschirm mit hervorragendem Bild, welcher leider(?) nur analog und nicht digital angeschlossen ist. Als Telefon habe ich ein Cisco IP Phone mit allem Komfort, Anrufe nach Deutschland sind kein Problem, d.h. kosten nicht mehr als innerschweizer Telefonate, weil sie über das interne Netz geleitet werden.

Ich fühle mich auch im multikulturellen Umfeld viel wohler als in Aschaffenburg. Es ist einfach vielfältiger und anders. Der eine Kollege kommt aus Rumänien, er ist sehr gross, gutaussehend und so wie die anderen sympathisch.

Ich habe heute Nachmittag in den Fitnessräumen mit meinem jungen Kollegen Roman und Susanna zwei Papiertuchspender montiert. Find ich gut dass man so kleine Dinge selbst erledigt. Das Badezimmer ist wunderschön, ich möchte oft dort trainieren, wobei ich eher an den Kraftmaschinen als an den Ausdauermaschinen interessiert bin. Ich fahre ja demnächst immer mit dem Rad heim und das reicht für die Kondition.
Das Haus ist übrigens laut den Kollegen im Winter nicht warm genug und im Sommer zu warm.

Heute bin ich mit dem Zug heimgefahren. 3 Minuten zum Bahnhof, der Zug fährt jede halbe Stunde ohne Umsteigen und braucht nur 15 Minuten. Echt Klasse. Es gab ein Gewitter und ich wollte nicht völlig durchnässt werden oder gar vom Blitz erschlagen werden.
Auf dem Bahnsteig hat es (=schweizerdeutsch anstelle von 'ist') ein schönes Wartehäuschen. Neu, sauber, viel Glas, bequemer Sitz. Schulkinder waren noch im Zug. Nur der ehemals rumänische Kollege war heute mit dem Rad da.
Habe mir heute Abend eine Pizza in der Mikrowelle warm gemacht. Es ging so. Der Boden war nicht so richtig heiss, weil der Grill nur von oben kommt. Aber geschmeckt hat es dennoch. Ich glaub ich kauf mir wieder Tiefkühlpizzen.

Die Kollegen sind alle sehr sympathisch! Ich finde das immer noch erstaunlich. Hätte ich nie für möglich gehalten dass es hier in der Schweiz soviele Unternehmen mit so gutem Umgangston gibt.

Ich bin einfach total happy, wie man hier sieht!

von R.W.Fassbinder - veröffentlicht in: Persönliches
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Hallo, wie findet ihr mein Türenposter?
Ich möchte es überarbeiten und kommerziell vertreiben. Was meint ihr, hätte das Erfolg?

Bitte hier klicken um das Bild in mittelgrosser Auflösung anzusehen: link
Hinweis: das Poster ist sehr gross und wird in manchen Browsern an die Fenstergrösse angepasst. Man muss dann z.B. im Internet-Explorer auf das Symbol in der rechten unteren Ecke klicken um die reale Grösse zu sehen.


Für mich ist übrigens Luzern die schönste Stadt die ich kenne! Ich habe mich richtig in Luzern verliebt.
Kennt jemand eine gleichgrosse oder grössere Stadt mit Häusern und Haustüren ähnlicher Schönheit? Falls ja, bitte melden! Vor allem die Stadtmauer, 'Museggmauer' genannt ist auch unglaublich schön, mit ihren individuellen, sehr hohen und uralten Türmen.

von R.W.Fassbinder - veröffentlicht in: Fotos
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Diesen April(?) im Friendscout (Internetplatform, Werbung: 'So verliebt man sich heute'), wir flirten, wir haben beide einen Kinderwunsch...

Sie: Ich möchte dich in der Schweiz besuchen, hab aber leider kein Geld.
Ich: Kein Problem komm und ich zahle dir alles.

Sie: Habe zwei kleine Kinder.
Ich: Kein Problem, freut mich!

Sie: Ich würde nicht für Dich in die Schweiz ziehen, fühle mich hier bei Köln so wohl.
Ich: Kein Problem, zieh ich halt zu euch.

Sie: Die Kinder sollen ihren regelmässigen Kontakt zum leiblichen Vater beibehalten.
Ich: Kein Problem, wir bekommen das schon irgendwie geregelt, auch wenn's schwierig wird.

Sie: Hab leider wiederholt ein Terminproblem.
Ich: Kein Problem, ich hab immer Zeit, irgendwann klappt es schon dass wir uns mal real treffen können.

Heute, 1. Juni, Sie: ich hab 'nen Anderen, es hat zwischen uns gefunkt.
Ich: O.K. kein Problem. Ich hab mir sowieso alles nur eingebildet, danke für den guten Scherz, war so gut geflirtet dass ich echt drauf reingefallen bin, hab doch wirklich geglaubt da seien echte Gefühle füreinander im Spiel :-)


Wir haben anfangs ca. 2 x 1 Stunde gechattet, insgesamt ca. 20 lange E-Mails geschickt, ca. 3 mal telefoniert, ich hab ihr zwei Postkarten und ein Päckchen geschickt. Postkarten und Päckchen sind, zumindest was das Versenden anbelangt, wohl nicht ihr Ding. Und E-Mails mag sie auch nicht so gerne. Kamen immer ein bisschen schleppend.
Aber ich will nicht klagen. Es gibt viele Frauen auf der Welt, 'nur' blöd dass ich das Pech habe immer an die Falsche zu geraten.

Sie hätte ja sagen können dass ich in der Warteschleife die Nummer 2 oder sonstwas, z.B. nur 'Zeitvertreib' bin. Das wäre ehrlich gewesen und ich hätte gewusst was Sache ist.
Ich hätte sicher dennoch weiterhin um ihre Gunst gehofft. Aber ich wäre jetzt nicht so sauer und enttäuscht.

Leider hat ihr dafür der Mut gefehlt. Das macht mich wütend und traurig.
Warum ist alles in unserer Gesellschaft so verlogen wie unser tägliches Werbespam?

Was lerne ich daraus? Wenn Mann zu lieb und nett, für alles / zu leicht zu haben ist, ist Frau anscheinend automatisch desinteressiert? Hat sie das nicht erkannt wieviel zu geben ich bereit bin. Was ich überhaupt für ein toller, spontaner und aktiver Typ bin? Hätte ich mehr schleimen sollen? Nein - das ist nicht meine Art. Ich mache gerne Komplimente. Aber nur wenn ich etwas wirklich positives sehe.

Ist das vielleicht normal, dass attraktive Frauen mehrere Männer in der Pipeline haben? Keine Ahnung. Ich find's ein wenig abartig. Aber vielleicht bin ich auch nur neidisch?

Ich kenne Männer die brüsten sich damit dass sie Frauen betrunken machen um sie ins Bett zu bekommen und wie gut das klappt, oder dass sie das verliebt-sein vorgeben und so weiter. Solche Männer bekommen, zumindest was ich beurteilen kann, immer Frauen ab, die stehen geradezu Schlange. Wenn einer Haus und dickes Auto hat ist das für Frauen automatisch ein geiler Typ.
Woran liegt das? Sind Frauen prinzipiell, sozusagen von Natur aus oberflächlich bzw. bestechlich?
Ich hoffe und denke nein. Und doch scheint mir meine Erfahrungen und Beobachtungen etwas anderes zu lehren. 
Frauen, könnte ich glauben, wollen offensichtlich berechnende Machtmenschen, Macker mit Ellenbogen, Egoisten! Und ja keine gutmütigen, kompromissbereite, kinderliebende und im Haushalt anpackende Softies. Schade.

Warum haben alle immer nur so viel Angst ehrlich zu sein?

In Zukunft werde ich mich um Frauen einfach nicht mehr kümmern. Schluck. Auch wenn's schwer fällt. Internetflirts mag ich sowieso nicht mehr.

Ich hab jetzt die Schnauze echt voll!

Deshalb blogge ich jetzt lieber anstelle zu flirten, ich merk schon dass ich echt verliebt bin in meinen Blog, dass 'er'(!) mich nicht enttäuscht, hoffe er gibt mir auch was zurück für die Mühe die ich hier hineinstecke ...

von R.W.Fassbinder - veröffentlicht in: Persönliches
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6:10 Bahnhof Schindellegi. Ich hab's geschafft, stehe 10 Minuten vor Abfahrt entspannt auf dem Bahngleis. Eine junge, leider dicke, Amerikanerin wartet mit mir. Ich fange ein Gespräch an. Sie ist au-pair, kommt aus Canada und macht einen Wochenendtrip nach Florenz mit Freunden.
Ich erzähle ihr dass ich in der ersten Klasse in Canada war und sich die Lehrer sehr gut um mich gekümmert haben. Dass danach nie wieder eine bessere Schule für mich kam. Dass die deutschen Lehrer sich auch noch freuen wenn Du es nicht schaffst.
Sie ist ein wenig erfreut. Ich überlege noch ihr meine hübsche Visitenkarte mit den Fussabstreifern zu überreichen mit der Bitte mich als Fotografen in ihrer Gastfamilie, die nächsten Monat ihr drittes Kind erwartet, zu empfehlen. Ich lass es bleiben.

Richtung Chur bin ich mit ein oder zwei anderen Passagieren alleine im Abteil. Ich gönne mir einen Tee. Leider ist dieser wie immer sehr geizig, bzw. verschwenderisch bemessen - wie man's nimmt. Geizig weil die Papptasse, ich denke 0,2l, zu klein ist, verschwenderisch weil man mit der Teemenge durchaus auch 0,5l Tee herstellen könnte. Aber die meisten haben keine Ahnung von Tee. Das stört mich. Ich hasse Verschwendung, gerade auch im Kleinen.
 



Chur
Hier steige ich um. Ich merke sofort dass irgendetwas anders ist. Ich bin freudig erregt.
Klar! Es ist die Spurbreite, eine Schmalspur! Wie konnte ich das nur übersehen!



Ich steige ein, bin der Einzige im Abteil. Dann kommen ca. 40 ältere Männer herein, ein Vereinsausflug. Nach einer Weile noch mal ca. 20 Menschen, der Älplerverein.
Zwei Frauen setzen sich in meine Sitzgruppe. Die eine hat riesige Brüste(50?), die andere einen riesigen Hintern(35?). Schade. Ich unterhalte mich mit der grossbrüstigen. Sie ist nett, ich mag ihre Art.
Leider kapiert sie nicht wie schlecht ich ihr schweizerdeutsch verstehe. Sie erzählt was von der Alm. Ich frage wie viele da oben sind. Sie meint so 1-5 Menschen seien auf einer Alm.
Sie unterhalten sich. Über das Kalben. Ich mache meinen MP3 Player mit den In-Ear-Stöpseln an weil es mir zu laut ist im Abteil.
Langsam wird es immer steiler und geht bergauf. Die Aussicht wird kontinuierlich gebirgiger, aufregender.

Ich merke gar nicht als wir die Albulalinie durchfrahren. 'Sechs hohe Viadukte, drei Spiral- und zwei Kehrtunnels machen die Überwindung der gut 400 Meter Höhendirfferenz möglich.'
Von allem was ich seit Jahren über die schweizer Bahnfahrt wusste, war das mein persönliches Highlight. Ich habe nicht mal die Spiraltunnels kapiert, d.h. bewusst wahrgenommen als wir sie durchfahren haben. Naja, was soll's.
Ich war auch sehr mit meiner Canon EOS 40D beschäftigt. Erst Abends habe ich kapiert dass die Kamera mit Polfilter für Aufnahmen aus dem fahrenden Zug heraus einfach nicht zu gebrauchen ist. Das Polfilter schluckt sehr viel Licht; die Aufnahmen mit waren an diesem recht trüben Tag leider alle ziemlich matschig. Ein wenig war ich auch frustriert deshalb. Erst Abends nach Zermatt habe ich den Polfilter vom UV-Filter trennen könne, sie waren wie festgeschweisst. Ich muss jetzt ein wenig Öl auf das Gewinde träufeln, damit es das nächste Mal einfacher geht.
Das Bild zeigt das berühmte Landwasser-Viadukt, Wahrzeichen des Glacier Express.



Ziemlich hoch oben sind dann die Passagiere des Älplervereins ausgestiegen um mit dem Bus weiterzufahren, auch die Männer des anderen Vereins sind ausgestiegen. Der Zug hat sich immer gemütlich Zeit gelassen was mir noch Spass bereitet hat, es war ja noch vor 10 und ich glaubte noch ein wenig an die schweizerische Liebe zur Präzision.
Als ich um 10 Uhr in Zermatt ankam wusste ich genau dass ich mir 6 Minuten Zeit lassen konnte um umzusteigen. Also hab ich erst mal ein Foto vom See gemacht. Den Glacier Express sah ich auf dem anderen Bahnsteig. Ich lief die Treppe hinab um zu ihm zu gelangen.
Als ich die Treppe hochkam war er weg!
Ich lief die Treppe erneut hinab, schaute auf den Plan für Abfahrten. Uhrzeit 10 Uhr 4 genau so wie ich es im Kopf hatte. Auf die Uhr geschaut. 10 Uhr 5. Kein Wunder. Aber warum hat der Zug nicht auf mich gewartet?! Sind die blöd? Können die nicht per Lautsprecher ansagen dass sie 5 Minuten Verspätung haben?
Ist anscheinend zuviel verlangt. Unglaublich.
Ich gehe zum Schalter. Ja ich könnte ein Taxi nehmen und ihn noch bekommen, warum ich mich nicht beeile. Ich renne zum Taxistand, einer ruft was hinterher.
Der Taxifahrer, ein Italiener sagt auf mein drängen er könne nicht schneller fahren, die Polizei. Ich komme am nächsten Bahnhof an. Der Zugführer fragt mich ob ich mit dem Taxi gekommen sei, der ganze Zug habe auf mich gewartet. Prima. Ich steige ein. Sage ihm ich wünsche mir dass er mir bestätigt dass ich mit dem Taxi gekommen sei. Damit ich die 42 Franken in Rechnung stellen kann.
Das kann er aber nicht. Das finde ich sehr merkwürdig. Ich sage ihm: 'Ich sage ja nicht dass Sie die 42 Franken aus Ihrer Tasche an mich bezahlen sollen'. Er sagt das könne er nicht. Er würde sich das überlegen.
Finde ich sehr traurig dass die Mitarbeiter bei einer der vielen schweizer Bahngeseellschaften glauben nicht das bestätigen zu dürfen/können was sie soeben mit eigenen Augen erlebt haben. Sowas finde ich verlogen.
Nach einer Weile kommt er mit einem Kaffee an. Der sei für mich. Eigentlich trinke seit langem ich gar keinen Kaffee mehr. Ich will ihn nicht enttäuschen. Trinke ihn obwohl er mir gar nicht schmeckt.


Der Service im Glacier Express.
Per Lautsprecher und im Prospekt, das für jeden der vier Sitzplätze auf dem Tisch, einschliesslich kostenlosem(! die Chinesen freut es) Kopfhörer liegt, wird für den Service geworben.
Ca. 10:30 kommt eine recht dominante Italienerin und wünscht sofort zu wissen was ich zu speisen gedenke. Ich entscheide mich für ein Tagesmenü. Sie meint um 12 Uhr würden sie mit der Bedienung anfange.
Um 12 habe ich richtigen Hunger und freue mich rechtzeitig bestellt zu haben. 12:45 mein Magen knurrt, der Salat wird serviert, ich denke o.k. endlich. 13:00 mehrrmals ist das Servicepersonal mit dem Mittagessen an mir im schmalen Flur vorbeigerannt. Was ich zu trinken wünsche. Ich bestelle ein Bier.
Ca. 13:15 jetzt erst kommt der Hauptgang. Wie bei den Soldaten: erst kommt sie mit dem Fleisch, gibt eine winzige Portion, dann einer mit den Karotten, danach ein Mann mit dem Reis. Nicht dass es schlecht schmecken würde. Aber für 41 Franken erwartet man nach der 'Serviceankündigung' dann doch ein wenig mehr als ein so simples Gericht.
Wenn man hungrig ist wünscht man sich nicht über eine Stunde auf das Gericht zu warten, man wünscht sich dass das bestellte Getränk auch zum Mittagessen serviert wird, und dass auf dem Teller keine Kinderportion liegt. Immerhin konnte ich nachbestellen. Für das Mittagessen habe mich brav ca. acht mal bedankt und mindestens ca. 15 Kontakte gehabt! (1x Bestellung, 1 x Salat, 1 x Bier bestellt, 2 X 3 für Fleisch, Karotten und Reis, 1 x Bier erneut bestellt, 1 Bier bekommen, 1 Käse bekommen, 5 x gesagt: 'nein ich esse das noch' oder 'bitte stehen lassen, ich möchte das noch essen!'). Diese erfreulich hohe Anzahl an Servicekontakten für ein sehr simpel gestricktes Mittagessen (Mensa-Niveau) für ca. 42sFr = 26Euro ist doch sicher rekordverdächtig! :-)



Als Nachtisch bestelle ich Käse und Brot. Sehr viel Käse mit nur einer kleinen Scheibe Brot kommt. Die Gastronomie in diesem Zug ist ein schlechter Witz! Ich bestelle noch eine Scheibe und bekomme aber noch vier serviert. O.K.
Ich unterhalte mich mit der Japanerin. Ca. fünf mal muss ich dem Personal antworten (darf ich abräumen?) oder es darauf hinweisen dass ich den Käse sehr gerne noch esse. Ich bin so ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Sind die alle blöd?! Ich hab doch den Käse gekauft und die Fahrt geht noch über knapp zwei Stunden. Warum soll ich nicht den Käse essen wenn ich wieder Hunger habe? Das ist definitv die letzte Fahr mit einem 'Erlebniszug' in der Schweiz. Ich finde es einfach traurig dass die ca. 5 Mitarbeiter so unsensibel wie Roboter ihren Job nach einem fest einstudierten Drehbuch, ohne Verluste, durchziehen.
Apropos Mitarbeiter: Darf es wahr sein? Da ist doch glatt eine Dicke dabei deren Hintern nur mit Not durch den engen Flur passt. Kann ein Psonalverantwortlicher einen offensichtlich noch ungeigneteneren Mitarbieter einstellen? Die Dummheit ist offensichtlich auch auf höhren Ebenen vorhanden.
Erfreuliche Ausnahme: Die Schaffnerin, eine schielende Italienerin, Mitte 30. Freundlich und kompetent. Berät einen auch in touristischen Belangen!


Sie meinte es sei sinnvoll bis Zermatt zu fahren, das sei schöner als die anderen Orte.
Ich steiege um 17:52 aus. Super dass dort keine Autos fahren dürfen! Aber ansonsten? Die Stadt ist sehr öde, ein Souvenir-Shop am anderen, billige Architektur, nichts gewachsenes. Aber was hatte mir die Schaffnerin gesagt?
Doch, es sind tatsächlich auch einige winzige, historische Holzgebäude zu sehen, und zwar in insgesamt einer(!) Strasse, der Hinterdorfstrasse.

 

19:15 Abfahrt Richtung Visp

Vor Herbriggen komme ich nochmal an der steilen Felswand vorbei, in der sich ein für mich sehr geheimnisvolles Loch befindet, aus welchem ein kleiner Bach fliesst. Wie kommt dieses Loch mit ca. 2 Metern Durchmesser da hinein? Schade dass ich keinen Geologe als Begleiter habe. Ich möchte der Sache noch nachgehen, mal danach googeln. Vielleicht posten mir ja auch Blogbesucher Hinweise?



Jetzt fahren wir auf Höhe des Flussbetts. Der Flusslauf ist leider durch menschliche Eingriffe leicht verunstaltet. Ein wenig Plastikmüll schwimmt im Wasser.
Ich fahre nochmals durch die unglaublich enge und hohe Schlucht mit Fluss unten. Es ist ein Wunder dass überhaupt Platz für die Bahntrasse vorhanden ist. Es geht sehr steil neben der Trasse bergab.



In Visp, eine Stadt mit vielen scheusslichen, neuen, Häusern steige ich in den Zug nach Bern. Wir durchfahren einen endlos langen Tunnel. In Bern steige ich um Richtung Zürich.
In Zürich komme ich doch glatt eine halbe Stunde zu spät um 23:30 an. Den letzten Anschluss habe ich somit verpasst. Es gibt einen grossen Infostand, keiner ist drin. Ich möchte zu einem Schalter, alles dunkel. Weit und breit kein Bahnangestellter. Ich nehme einen Zug nach Pfäffikon um von dort mit dem Taxi heimzufahren. Der Schaffner erkundigt sich: der Zug in Wädenswil wird definitiv auf mich warten. Er hat Mitleid und gibt mir zwei 5 Franken Gutscheine, als Entschädigung dass ich eine Stunde später als geplant daheim ankomme. Immerhin.

Die Zugfahrt war nicht die schlechteste Beschäftigung für einen kalten, wolkigen Tag. Die Strecke ist absolut sehenswert. Aber nie wieder werde ich mit dem Glacier Express fahren und den ganzen Tag im sitzen verbringen. In Zukunft werde ich mit Wanderschuhen ausgerüstet einen schönen Streckenabschnitt anfahren oder spontan aussteigen, wandern und nach herzenslust fotografieren.
von R.W.Fassbinder - veröffentlicht in: Reisebericht
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Ich bin ernsthaft erfreut und gerührt wie nett meine Kollegen sich von mir alle verabschieden. Das ist nicht gespielt und kommt sehr autenthisch rüber.

Ich habe Jedem ein No-Name Nogger-Eis spendiert.

Enttäuschend ist nur dass ich in meiner 9 monatigen Anwesenheit keinen als Freund gewinnen konnte.
Aber das scheint hier ein wenig schwieriger als in D zu sein.
Ich denke immer ich bin eher der amerikanische Typ: ich lerne sehr schnell neue Menschen kennen, aber ich kann auch sehr schnell wieder Tschüss sagen. Passe also diesbezüglich wohl nicht so gut hierher in die Schweiz.

Vielleicht liegt es aber auch an meiner, manchmal burtal, ehrlichen und bisweilen provozierenden Art.

Wenigstens mein wichtigster Ansprechpartner und Vorgesetzter, Peter, möchte um 17:00 Uhr mit mir ein Bier trinken gehen. Freut mich weil ich ihn sehr gut leiden kann.

Die Sekretärin meiner neuen Firma hat mir gemailt ich solle meinen Ausländerausweis und meinen Sozialversicherungsausweis am Montag mitbringen. Ausländerausweis habe ich noch keinen, ist in Arbeit, nur eine alte, vorübergehende Erlaubnis kann ich mitbringen und den AHV-Ausweis habe ich wahrscheinlich in D liegen.

Doof nur dass sie zwei Fehler in meinem Nachnamen in der Anrede schreibt, obwohl mein korrekter Vor- und Nachname in ihrem Outlook angezeigt wird, sie also nur hätte abschreiben müssen. Anscheinend doch eine recht schlechte oder stark überlastete Sekretärin. Sie ist Italienerin. Vielleicht nimmt sie es deshalb mit den Namen einfach nicht so genau. Fänd ich fast schon wieder lustig:-)

Morgen werde ich hoffentlich mit dem Glacier-Express www.glacierexpress.ch von St. Moriz nach Zermatt fahren. Evtl. übernachte ich dort noch und fahre erst Sonntag Nachmittag wieder heim.
Müsste mal wieder Wäsche waschen.

Hab mir gestern eine frei im Internet verfügbare Firmwareerweiterung auf meine Canon Ixus 860IS gemacht. Sowas macht mir echt Spass. Es gibt jetzt viele neue Funktionen! Z.B. Raw-Datenformat, Skripte, Kalender, Spiele, Dateimanager usw. Und das alles völlig umsonst und ungefährlich!

Die letzten zwei Abend war ich wieder bei Antonella, in ihrem italienischen Restaurant.
Gestern waren ein Grossvater, ein Vater und sein Sohn neben mir an einem Tisch gesessen, ohne Frau.
Fand ich lustig, weil doch die meisten Männer wegen ihr kommen. Egal ob jung oder alt.
Sie hat sich auch sehr lieb um alle Männer einschliesslich dem Kleinen 'gekümmert'. Ihn hat sie ein bisschen bemuttert und ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Sie kann mit ihrer charmanten offenen Art einfach sehr gut auf Menschen eingehen!

Ihr Bruder hat (es) leider gar nicht(s) drauf, z.B. mir mal von sich aus ein wenig italienisch beizubringen - wenn er doch schon kein Wort deutsch kann...

von R.W.Fassbinder - veröffentlicht in: Persönliches
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